Die Deutsche Schillerstiftung von 1859 verleiht ihre Preise für 2025 und 2026
In einer Literatur-Gala am 11. Dezember 2026 um 18 Uhr im Festsaal des Goethe-Nationalmuseums wird die Deutsche Schillerstiftung von 1859 insgesamt fünf Literaturpreise verleihen. Neben den Preisen für 2026 werden auch die Preise für 2025 verliehen. Nach dem plötzlichen Tod des Kuratoriumsvorsitzenden der Schillerstiftung, Prof. Dr. Hansgeorg Schmidt-Bergmann, am 3. September 2025 war die Preisverleihung für 2025 kurzfristig abgesagt worden.
Die Ehrengabe der Deutsche Schillerstiftung für 2025 erhält die österreichische Dichterin Margret Kreidl. Ihr Schreiben zeichnet sich aus Sicht der Jury durch eine außergewöhnliche formale Vielfalt und Experimentierfreude aus. Sie bewegt sich souverän zwischen Lyrik, Prosa, Hörspiel und Theater und überschreitet dabei bewusst die Grenzen traditioneller Gattungen. Diese intermediale Offenheit ist kein Selbstzweck, sondern Ausdruck eines umfassenden künstlerischen Konzepts.
Mit dem Lyrikpreis für 2025 der Anke Bennholdt-Thomsen-Stiftung, einer Unterstiftung der Deutschen Schillerstiftung, wird die deutschsprachige Schriftstellerin und Übersetzerin Ann Cotten ausgezeichnet. Mit ihren Gedichten, so die Einschätzung der Jury, eröffnet sie neue Perspektiven auf die uns umgebende Welt, deren Ausmaße Werk um Werk schwindelerregender werden. Und nie schreibt Ann Cotten Dichtung, ohne über Dichtung zu schreiben.
Die Ehrengabe für 2025 der Kester-Haeusler-Stiftung, einer weiteren Unterstiftung der Deutschen Schillerstiftung, erhält die Autorin Lütfiye Güzel. Autonomie, so die Jury in ihrer Begründung, steht im Zentrum ihres Schreibens und Auftretens, praktische, lyrische und damit letztlich auch politische. In ihren Gedichten und Kürzestgedichten reflektiert sie Themen wie Identität, Migrationserfahrung, Suche nach dem Gegenüber und Verlust, immer grundiert von trotziger Melancholie und eingebettet in Alltagsbeobachtungen.
Mit der Ehrengabe der Deutschen Schillerstiftung für 2026 wird das literarische und künstlerische Schaffen von Mely Kiyak gewürdigt. In ihren Büchern, Texten, Miniaturen, so die Jury, spiegelt die Autorindas Zusammenleben und die Beziehungsgeflechte im Großen wie im Kleinen sprachlich präzise und mit einem unvergleichlichen Humor wider. Sie sammelt Augenblicke und verwandelt sie mit eigenem Sound in Liebes- oder Protestlieder, die ihre Leserinnen und Leser lange begleiten und zu einer Selbstbefragung einladen. Ihr Schreiben, wie auch ihre Theaterabende, stellen immer auch die Frage nach der Notwendigkeit eines Künstlerinnenlebens.
Den Förderpreis für 2026 der Anke Bennholdt-Thomsen-Stiftung erhält die junge Autorin Nea Schmidt für ihren Debüt-Gedichtband „Sprechen in Flechten“ (2026). Aus diesen Gedichten, so die Jury, spricht eine Stimme, der es ernst ist mit Fragen als Haltung. Ihre Gedichte spüren der Arbitrarität der Zeichen nach, sie zielen in ihrem Dehnen und Biegen von Bedeutung auf Unberechenbarkeit.
Die Jury der Deutschen Schillerstiftung von 1859 wird aktuell von dem Literaturwissenschaftler und -organisator Prof. Dr. Florian Höllerer, der Autorin Nancy Hünger, der Kritikerin Beate Tröger, dem Autor und Verleger Dinçer Güçyeter sowie der Kulturredakteurin Judith Heitkamp gebildet. Den Vorsitz hat seit dem 20. April 2026 Florian Höllerer inne. Die fünf Jury-Mitglieder werden als Laudatorinnen und Laudatoren an der Preisverleihung der Deutschen Schillerstiftung am 11. Dezember 2026 mitwirken.
Moderiert wird die Veranstaltung am 11. Dezember 2026 vom neuen Kuratoriumsvorsitzenden der Deutschen Schillerstiftung, Dr. Frank Simon-Ritz, dem Direktor der Bibliothek der Bauhaus-Universität Weimar.
Als älteste bürgerschaftlich organisierte Fördereinrichtung unterstützt die Deutsche Schillerstiftung von 1859 Autorinnen und Autoren. Seit ihrer durch Kriegs- und Nachkriegsereignisse notwendig gewordenen Neuerrichtung im Jahre 1995 vergibt sie alljährlich Ehrengaben und regelmäßig Förderpreise. Zugleich fungiert die Stiftung als Dach renommierter Unterstiftungen, die von namhaften Persönlichkeiten für die Vergabe weiterer Literaturpreise eingerichtet wurden. Die Deutsche Schillerstiftung von 1859 leistet damit einen wichtigen Beitrag zur Literaturförderung im deutschsprachigen Raum