Alle Preisträger chronologisch bis 1995:

2015

Elke Erb wurde 1938 in Scherbach in der Eifel geboren und ging 1949 mit ihrer Familie in den Osten Deutschlands. „Entgegen allen Einengungen, die mit der Doktrin vom sozialistischen Realismus einhergingen, hielt sie an einer radikal subjektiven Sprache fest, die gleichwohl ein kritisches Verhältnis zu gesellschaftlichen Prozessen behauptete, die ja immer auch Bewusstseinsprozesse sind. Unter gewandelten Marktbedingungen blieb sie ihrem anspruchsvollen Schreiben treu. In ihrer hochreflexiven Sprache, die dem Sprechen der Menschen ebenso wie dem eigenen Denken, Sehen und Fühlen abgelauscht ist, hat sie seit den sechziger Jahren vor allem in Gedichten, aber auch in tagebuchartiger, grenzgängerischer Prosa ein poetisches Journal angelegt, das in der deutschsprachigen Dichtung unserer Tage seinesgleichen sucht. Dieses poetische Journal stellt zugleich ein Inventar der sinnlichen Dinge, der konkreten Wahrnehmungen und Erinnerungen dar. Zu ihren bedeutendsten Büchern zählen die Gedichtbände Vexierbild, Kastanienallee und Sonanz. Sie hat auch als Übersetzerin aus dem Russischen wichtige Beiträge zur Gegenwartsliteratur geleistet, mehr noch als engagierte Fürsprecherin und Begleiterin junger, oftmals experimenteller Autoren, sowohl in der literarischen Szene der späten DDR wie auch in der Lyrikszene unserer Tage.” begründet die Jury ihre Entscheidung.

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2014

In ihren Gedichtbüchern, unter denen „Dschinn“ (S. Fischer 2007) und „fremd gedanken“ (Horlemann 2012) besonders hervorzuheben sind, vertritt sie eine Poetik, die einmal nicht aus der Kälte kommt – anders als der Hauptstrom der zeitgenössischen Poesie. Zeilen von hoher Sinnlichkeit, genauer Natur- und Alltagswahrnehmung und einer schlafwandlerisch sicheren Verwandlung des Lebensstoffs in poetische Schwebezustände zeichnen Schiffners Gedichte aus. Ohne Rücksicht auf literarische Moden verbindet sie eine Vorliebe für die Tradition des romantischen Kunstlieds mit schmerzlich genauen Aufrissen autobiographischer Motive. Ihre Gedichte entzünden sich an Erinnerungsfetzen und Augenblickswahrnehmungen, kleinen und großen Epiphanien, sie bewahren im Wortsinn Andenken auf, kreisen um die Brüchigkeit menschlicher Bindungen, den Verlust von Liebe und Freundschaft und familiäre Verwerfungen und setzen der Vergänglichkeit immer aufs Neue das Gedicht entgegen. In freien Versen von betörender Schönheit und oftmals verstörenden Details überrascht Sabine Schiffner immer wieder mit neuen Fragmenten einer einzigen großen Erzählung: von den Wunden und den Wundern einer subjektiven Weltaneignung, die zwischen Sehnsucht, erfülltem Augenblick, Bruch und Verletzung das einzige Heil in der Aufzeichnung findet.

Sabine Schiffner wurde 1965 in Bremen geboren. Sie studierte Theater-, Film- und Fernsehwissenschaften, Germanistik und Pädagogische Psychologie in Köln, wo sie nach einem mehrjährigen Aufenthalt auf Mallorca heute wieder lebt. In ihrem jüngsten Band „fremd gedanken“ findet sie zu stark anrührenden Versen, die mit einer glücklichen Verbindung aus Tiefe und Leichtigkeit ihr Leben im Süden zwischen Aufbruch und Scheitern Revue passieren lassen. In einem ganz eigenen Ton, der ihre gereifte und sich stets treu gebliebene Gedichtsprache an wechselnden Sujets erprobt, bringt sie in die zeitgenössische Lyrik eine verloren geglaubte Melodie zurück. Ihr Werk umfasst bis heute vier Gedichtbände sowie den mit dem Jürgen-Ponto-Preis ausgezeichneten Roman „Kindbettfieber“ (S. Fischer 2005).

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2014

Der 1960 in Waldsassen in der Oberpfalz geborene Gegenwartsschriftsteller arbeitet seit frühester Jugend über Genregrenzen hinweg an einem rhizomartigen Gesamtkunstwerk. Grundfigur und Auslöser dieses mittlerweile groß angewachsenen Werks ist Wenzel, der sein ganzes Leben als Knecht in der Hendelmühl, gearbeitet hat. Die Hendelmühl ist der Aussiedlerhof an der deutsch-tschechischen Grenze, in dem Werner Fritsch aufgewachsen ist und wo er neben Berlin noch heute seinen zweiten Wohnsitz hat. In seinem 1987 bei Suhrkamp erschienenen fulminanten Debütroman Cherubim lässt Fritsch den Knecht aus seinem Leben erzählen. Damit erzählt Fritsch aus der Sicht eines ungebildeten Helden, eines sozial an unterster Stufe stehenden Outsiders Lokalgeschichte, die durch die Verknüpfung mit dem von Wenzel erlebten Dritten Reich aber sofort eine Dimension annimmt, die weit über das bloß Lokale hinausweist.  

Mit diesem ersten Buch sind schon einige Konstanten des Fritschschen Werks festgelegt. Das Interesse an einem biographischen Hintergrund, die Kunst der Verfremdung durch Sprache, der Spagat zwischen lokalem Setting und Weltpolitik, die Rhythmik des Erzählens, die Reibung an der deutschen Geschichte und an deutschen Mythen. Typisch für ihn ist das Arbeiten in verschiedenen Medien, in Prosa, Lyrik, Film, Hörspiel und Theater.  

Neben Wenzel gibt es auch noch andere Schlüsselgestalten für das Werk Werner Fritschs, etwa die deutsche Velvet Underground Sängerin Nico oder die Ehefrau Görings, Emmy Göring. Ein seit langem von ihm behandelter „Deutscher Mythos“ ist der Fauststoff. Zugleich nimmt die Auseinandersetzung mit seiner Heimat einen wichtigen Teil in seinem Werk ein. So verarbeitete er den Wondreber Totentanz (1998) nach Motiven von Abraham a Santa Clara. Auch in seiner Filmarbeit taucht immer wieder seine Herkunftsprovinz auf. Früh schon entstanden die Filme »Das sind die Gewitter in der Natur« (1988) und »Disteln für die Droste« (1997), später folgte »Ich wie ein Vogel« (2008), doch ist »Faust Sonnengesang« (2011-2012), sein filmisches und dichterisches Hauptwerk. In seinen viel beachteten „Frankfurter Poetik-Vorlesungen 2009“, in der edition Suhrkamp unter Die Alchemie der Utopie erschienen, skizziert er sein alle Gattungsgrenzen überschreitendes Werk.

Erstmals wird die Ehrengabe der Deutschen Schillerstiftung durch den Lions-Club/München dotiert.

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2013

Der 1948 in Erfurt geborene und dort aufgewachsene Jürgen K. Hultenreich wurde als 17-Jähriger wegen Fluchtversuchs verhaftet. Weil er sich vor Gericht mit Schiller-Zitaten verteidigte, ließ ihn die Staatsanwältin in die psychiatrische Klinik Pfafferode einweisen, er wurde zu zweieinhalb Jahren mit Bewährung verurteilt. Danach arbeitete Hultenreich als Musiker, Bibliothekar und Lyrikrezensent. 1985 konnte er ausreisen und lebt seither im Westen Berlins als freier Autor. 1990 wurde er mit dem Marburger Literaturpreis ausgezeichnet. 2006 erhielt er das Stipendium Künstlerhaus Edenkoben. Mit seinem Roman Die Schillergruft zeigt er sein außergewöhnliches Erzähltalent. Mit seinem 2001 erschienenen Roman, in dem er Georg Hull, sein alter ego, als Hauptfigur seine biografischen Erfahrungen in der DDR durchleben lässt gelingt Hultenreich, der sprachlich, inhaltlich und konzeptionell überzeugt, einer der bedeutendsten Romane über die DDR-Gesellschaft, eine eindrucksvolle Parabel auf eine kranke Gesellschaft, wie man sie selten in der deutschen Literatur findet. Jürgen K. Hultenreich konnte in der DDR nur vier Gedichte veröffentlichen, bereits wenige Monate nach seiner Ankunft im Westen 1985 erschien der Gedichtband Langsam rückwärts ist eine kräftige Gangart. Ihm folgten u. a. der poetische Reiseführer Mein Erfurt (Ullstein, 1994) und die Erzählungsbände Die 748-Schritte-Reise (1996), Die Entfernung der Nähe (1997), Zerbrochene Krüge (1998) alle im Weidler Verlag Berlin.

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2012

Die 1970 geborene Autorin, Fotografin und bildende Künstlerin Sabine Scho verfasst eine musikalisch ausgehörte, von Sprach-Clustern beherrschte und zugleich immer historisch und forschend, Material bereitstellende Lyrik, die eigenständig sezierend, doch bildhaft ins Technische versenkt zugleich erotisch-kreatürlich ist.

Mit der Übertragung von Verfahren der Fotografie und anderer Sparten der bildenden Kunst in ihre Lyrik, ist Sabine Scho wohl einzigartig in der gegenwärtigen deutschsprachigen Lyrik. Sie erhielt unter anderem den Leonce-und-Lena-Preis (2001), den Ernst-Meister-Förderpreis und ein Aufenthaltsstipendium in der Villa Aurora in Los Angeles (2003). Seit 2006 lebt sie in Sao Paulo und Berlin.

2001 erschien Thomas Kling entdeckt Sabine Scho, Album (Gedicht & Fotografie), Hamburg und zuletzt 2010 Frauen-Liebe und Leben. Variation zu Adelbert von Chamisso, zusammen mit Ulf Stolterfoht, Berlin.

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