Alle Preisträger chronologisch bis 1995:

2019

Kerstin Preiwuß, geboren1980, erhält den Anke Bennholdt-Thomsen-Lyrikpreis. Mit ihren drei bisher erschienenenLyrikbänden hat sie sich ein ganz eigenes Feld erschrieben. AllenBänden gemeinsam ist das Interesse an der Verschränkung von Sprache undKörper, sind Liedhaftigkeit, Formbewusstsein und eine kunstvolle Einfachheit inder sprachlichen Gestaltung. Im Debüt Nachricht von neuen Sternen (2006) begibtsie sich auf die Suche nach dem, was überdauert und schlägt dabei einen großenBogen von mythischen Überlieferungen bis in die Jetztzeit. Das Langgedicht Rede(2012) erzählt in atemlosem Rhythmus vom Sprechen als innerer Notwendigkeit,von Häutungen, Verwandlungen und der Begegnung mit dem Tod. Im JahreszeitenzyklusGespür für Licht (2016) dagegen setzt sie sich nicht mit dem Ende,sondern mit dem Beginn eines Lebens auseinander – auch damit, wie das Neuein die Welt kommt. Die in Rostock aufgewachsene Kerstin Preiwuß lebt mit ihrerFamilie in Leipzig. Sie schreibt nicht nur Lyrik, sondern auch Prosa, arbeitet alsDozentin, ist Mitglied des PEN und war für einige Jahre Mitherausgeberin derEDIT. – Die Laudatio bei der Preisverleihung wird Helge Pfannenschmidt halten.

» weiter
2019

Sina Klein, geboren 1983, studierte Romanistik in ihrer Geburtsstadt Düsseldorf und lebt als freie Autorin in Wien. Im Klever Verlag erschienen ihre Gedichtbände Narkotische Kirschen (2014) und skaphander (2018). Ihre Gedichte, geschult an Vorbildern wie Rimbaud und Unica Zürn, überführen das ana-grammatische Spiel mit Lauten und Buchstaben in dichte, hochmusikalische Gebilde, die eine in der Gegenwartslyrik selten gewordene Dringlichkeit entfalten. Viele dieser Gedichte lassen sich als Liebesgedichte lesen, die das uralte Werben und Bangen um die Anwesenheit des Anderen mit der Frage verknüpfen, wie einsam uns die digitale Welt macht. Ist das Gedicht selbst eine künstliche Hülle, ein »skaphander« (Taucheranzug), der zugleich schützt und isoliert? Mit solcher Ambivalenz lädt Sina Klein ihre Gedichte auf, ohne einfache Antworten zu liefern, doch mit dem unverzichtbar guten Ohr für den Fall der Silben, für Reim und Rhythmus.

» weiter
2017

Obwohl das poetische Werk der 1980 in Anklam geborenen, heute in Berlin lebenden, Judith Zander erst aus zwei Gedichtbänden – »oder tau« (2011) und »manual numerale« (2014) – besteht, ist bereits erkennbar, dass Judith Zander eine der aufregendsten Lyrikerinnen unserer Zeit ist. Ihre Gedichte umkreisen die klassischen Themen der Lyrik: Herkunfts- und Landschaftsgedichte finden sich in ihrem Werk ebenso wie Liebes- und Dinggedichte. Ihr zweiter Gedichtband »manual numerale« ist aufgebaut wie ein Diarium. Das Datum legt die Anzahl der Gedichtzeilen fest und zeigt, – gleichsam en passant – wie strenge Formvorgaben zu einem poetischen Spiel werden können. Ihre Lyrik sprüht vor Wortlust, sie ist angereichert mit Neologismen, Einsprengsel aus dem Englischen, dem Plattdeutschen und aus der populären Kultur. Judith Zander ist eine Meisterin des Nichteindeutigen, sie spielt mit Lauten, Bedeutungs- und Sprachebenen und zeigt sich dabei als fundierte Kennerin der deutschen und angloamerikanischen Dichtungsgeschichte und ihrer häufig schon vergessenen Formen. Vielleicht am schönsten: Immer wieder blitzt in ihren Gedichten ein verschmitzter Humor auf. Der mit 10.000 Euro dotierte Anke Bennholdt-Thomsen-Lyrikpreis für deutschsprachige Lyrikerinnen wird zum vierten Mal verliehen. Die Laudatio hält Thomas Geiger.

» weiter
2015

Elke Erb wurde 1938 in Scherbach in der Eifel geboren und ging 1949 mit ihrer Familie in den Osten Deutschlands. „Entgegen allen Einengungen, die mit der Doktrin vom sozialistischen Realismus einhergingen, hielt sie an einer radikal subjektiven Sprache fest, die gleichwohl ein kritisches Verhältnis zu gesellschaftlichen Prozessen behauptete, die ja immer auch Bewusstseinsprozesse sind. Unter gewandelten Marktbedingungen blieb sie ihrem anspruchsvollen Schreiben treu. In ihrer hochreflexiven Sprache, die dem Sprechen der Menschen ebenso wie dem eigenen Denken, Sehen und Fühlen abgelauscht ist, hat sie seit den sechziger Jahren vor allem in Gedichten, aber auch in tagebuchartiger, grenzgängerischer Prosa ein poetisches Journal angelegt, das in der deutschsprachigen Dichtung unserer Tage seinesgleichen sucht. Dieses poetische Journal stellt zugleich ein Inventar der sinnlichen Dinge, der konkreten Wahrnehmungen und Erinnerungen dar. Zu ihren bedeutendsten Büchern zählen die Gedichtbände Vexierbild, Kastanienallee und Sonanz. Sie hat auch als Übersetzerin aus dem Russischen wichtige Beiträge zur Gegenwartsliteratur geleistet, mehr noch als engagierte Fürsprecherin und Begleiterin junger, oftmals experimenteller Autoren, sowohl in der literarischen Szene der späten DDR wie auch in der Lyrikszene unserer Tage.” begründet die Jury ihre Entscheidung.

» weiter
2012

Die 1970 geborene Autorin, Fotografin und bildende Künstlerin Sabine Scho verfasst eine musikalisch ausgehörte, von Sprach-Clustern beherrschte und zugleich immer historisch und forschend, Material bereitstellende Lyrik, die eigenständig sezierend, doch bildhaft ins Technische versenkt zugleich erotisch-kreatürlich ist.

Mit der Übertragung von Verfahren der Fotografie und anderer Sparten der bildenden Kunst in ihre Lyrik, ist Sabine Scho wohl einzigartig in der gegenwärtigen deutschsprachigen Lyrik. Sie erhielt unter anderem den Leonce-und-Lena-Preis (2001), den Ernst-Meister-Förderpreis und ein Aufenthaltsstipendium in der Villa Aurora in Los Angeles (2003). Seit 2006 lebt sie in Sao Paulo und Berlin.

2001 erschien Thomas Kling entdeckt Sabine Scho, Album (Gedicht & Fotografie), Hamburg und zuletzt 2010 Frauen-Liebe und Leben. Variation zu Adelbert von Chamisso, zusammen mit Ulf Stolterfoht, Berlin.

» weiter
<< Erste < zurück 1-5 6-6 vor > Letzte >>