Dr. Ursula Krechel

Ursula Krechel, geboren 1947 in Trier, Studium der Germanistik, Theaterwissenschaft und Kunstgeschichte. Promotion. War Theaterdramaturgin. Lehrtätigkeit an verschiedenen Universitäten. Lebt als freie Schriftstellerin in Berlin. Elisabeth-Langgässer-Preis 1997. Debüt 1974 mit dem Theaterstück „Erika“. Erste Lyrikveröffentlichung 1977, danach erschienen in regelmäßiger Folge Gedichtbände, Prosa, Hörspiele und Essays. Zuletzt „Ungezürnt“ Gedichte, Suhrkamp Verlag 1997, „Verbeugungen vor der Luft“ Gedichte, Residenz Verlag 1999, „Der Übergriff“ Erzählung, Verlag Jung und Jung 2001, „Rohschnitt. Gedicht in sechzig Sequenzen“ Lyrikedition München 2002, „Mein Hallo dein Ohr“ mit Lithographien von Johannes Grützke Verlag Die Quetsche 2002, „In Zukunft schreiben. Handbuch für alle, die schreiben wollen“ Verlag Jung und Jung 2003; „Stimmen aus dem harten Kern“ Verlag Jung und Jung Salzburg 2005; „Mittelwärts“ Verlag Zu Klampen Springe 2006.

www.neuedichte.de

www.jungundjung.at
www.literaturport.de

Statement

Ich engagiere mich im Kuratorium der Schillerstiftung von 1859, weil ich aus eigener Erfahrung weiß, daß die öffentliche Wertschätzung und Belobigung von Schriftstellern und ihre ökonomische Lage zwei Seiten einer Medaille sind. Die objektiven Daten, die die Künstlersozialkasse über alle künstlerischen Berufsgruppen sammelt, sind erschreckend.  Jeder kann daraus seine Schlüsse ziehen, auch zum Thema Altersarmut, das im Augenblick einem allgemeinen Bashing unterliegt.

Jahresdurchschnittseinkommen der Versicherten der Berufsgruppe Wort zum 1. Januar 2006

  Unter 30 30 – 40 40 - 50 50 – 60 über 60
männlich 11.260 € 12.175 € 14.967 € 17.920 € 19.530 €
weiblich 8.845 € 9.855 € 11.242 € 13.004 € 13.269 €

Eklatant sind nicht nur die Unterschiede im Einkommen von Schriftstellerinnen und Schriftstellern, beschämend ist, daß sich die Schere um so mehr öffnet, je länger die Berufstätigkeit anhält. Hinzu kommt das Gefüge bei Preis-Entscheidungen, in denen Autorinnen immer noch benachteiligt sind; männliche Juroren schlagen nun einmal häufiger männliche Autoren für bedeutende Preise vor. Beschämend ist auch, daß in den mittleren Beufsjahren, in denen andere gesellschaftliche Gruppen Rücklagen für ihr Alter bilden, dies bei so geringen Einkünften gar nicht möglich ist.  Wer da immer wieder mit periodischer Regelmäßigkeit, wie zuletzt in der FAZ vom 30.April 2008, zur Abschaffung des Preis-und Stipendiatenwesens aufruft, weiß nicht, wovon er redet, oder er redet als Kulturjournalist bewußt einem Sozial-Darwinismus in den Künsten das Wort. Die Schillerstiftung versucht, mit ihren geringen Mitteln, den Ehrengaben,  ein Gegengewicht zu solchen Tendenzen zu bilden, die kontinuierliche Arbeit an ästhetischen Objekten zu würdigen, wohl wissend, daß es in der Kunst keinen gerechten Lohn für die geleistete Arbeit gibt.

Ursula Krechel