Die Geschichte der Deutschen Schillerstiftung von 1859

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts hatte sich die wirtschaftliche Lage der Schriftsteller dramatisch verschlechtert. In seinem Gemälde „ Der arme Poet“ veranschaulichte Carl Spitzweg mit grimmigem und zugleich mitfühlendem Humor die soziale Lage der Dichter zu Beginn des 19. Jahrhunderts.

Jahrbuch der Schillerstiftung herausgegeben in Dresden

Mit der kulturellen Emanzipation des Bürgertums  hatte sich ein literarischer Markt herausgebildet, der nur diejenigen ernährte, die marktkonform für ein breites Publikum schrieben.
Schiller hatte als einer der ersten Autoren überwiegend von den Tantiemen seines dichterischen Werks leben müssen und dabei Höhen und Tiefen durchlebt.

Julius Hammer, 1810 - 1862

1859 Gründung der Schillerstiftung in Dresden

Der Lyriker und Feuilletonist Julius Hammer ergriff 1855 anläßlich der Feier zu Schillers 50. Todestag in Dresden-Loschwitz die Initiative zur Gründung einer Schillerstiftung. Die Stiftung sollte verdiente Dichter und Dichterinnen ehren und sie samt Angehörigen in Not, bei Krankheit und im Alter finanziell unterstützen. Dieser Gedanke stieß in Dresden – einem Zentrum des literarischen Lebens - auf fruchtbaren Boden. Der Namenspatron Friedrich Schiller war außerordentlich populär und galt dem sich politisch emanzipierenden Bürgertum als Freiheitssymbol. Die Schillerstiftung sollte durch die Bildung von Zweigvereinen im gesamten deutschsprachigen Raum demokratische Strukturen auch im kulturellen Leben schaffen und erhalten.

Bis zur offiziellen Konstituierung der Deutschen Schillerstiftung im Oktober 1859 in Dresden bildeten sich 16 Zweigvereine, u. a.  in Berlin, Frankfurt/M., Hamburg, Leipzig, München, Stuttgart, Weimar und Wien. Der Weimarer Theaterintendant Franz Dingelstedt wurde zum 1. Vorsitzenden der Stiftung gewählt, der ehemals "Jungdeutsche" Karl Gutzkow übernahm als erster das Amt des Generalsekretärs, das stets mit einem Dichter besetzt wurde. Geschäftsort der Stiftung wurde Weimar, wo bereits die amtliche Genehmigung für die Stiftung vorlag. Die Satzung der Stiftung folgte demokratischen Grundsätzen und sollte Machtkonzentrationen vermeiden durch ein Rotationsprinzip bei den Geschäftsorten. Aus praktischen Gründen blieb es in der Folge aber bei dem Weimarer Geschäftsort, wo die Schillerstiftung im Schillerhaus eine respektable Bleibe gefunden hatte.

Zur Geschichte der Schiller-Lotterie

Die Schillerlotterie von 1860 - Geniale Idee schuf finanzielle Spielräume

Den Grundstock des beträchtlichen Vermögens der  Deutschen Schillerstiftung bildete eine auf Initiative des Gründungsmitgliedes Major Friedrich Anton Serre aus Dresden veranstaltete "National-Lotterie". Sie erbrachte bis 1862 einen Reingewinn von 300.000 Talern und ermöglichte großzügige Fördermaßnahmen.

Karikatur aus dem Kladderadatsch

Ehrengaben linderten finanzielle Not

Der heute fast vergessene Dresdener Dichter Otto Ludwig war der erste, dem eine Ehrengabe der Stiftung in Höhe von 400 Talern zuteil wurde.

In den folgenden Jahrzehnten etablierte sich die Deutsche Schillerstiftung als feste Größe im literarischen Leben Deutschlands. In den Schillergedenkjahren 1905 und 1909 erlebte sie glanzvolle Zeiten. Zu den von der Stiftung geförderten Dichtern gehörten Eduard Mörike, Wilhelm Raabe, Theodor Fontane, Detlev von Liliencron, Richarda Huch und Else Lasker-Schüler.

Nach dem Ersten Weltkrieg verlor die Deutsche Schillerstiftung durch Inflation einen Großteil ihres Vermögens und war zur Erfüllung ihrer stetig gewachsenen fürsorgerischen Aufgaben auf staatliche Hilfe angewiesen.

Nationalsozialistische Begehrlichkeiten

Nach der Übernahme der Macht durch die Nationalsozialisten im Jahr 1933 verlor die Schillerstiftung ihre Unabhängigkeit und wurde der Reichsschrifttumskammer angegliedert. Die Nationalsozialisten übertrugen der Stiftung die gesamte soziale Betreuung „verdienter“ deutscher Schriftsteller. Dem Versuch Goebbels, die Eigenständigkeit der Stiftung ab 1944 gänzlich auszulöschen, widersetzte sich der damalige Generalsekretär Heinrich Lilienfein erfolgreich.

Thomas Mann
Thomas Mann, 1955 im Deutschen Nationaltheater Weimar

Schwierige Zeiten im geteilten Deutschland

Bereits im Juli 1945 gestatteten die vier Besatzungsmächte die Wiederaufnahme der Stiftungstätigkeit in Weimar. Thomas Mann wurde 1955 in Weimar Ehrenpräsident der Deutschen Schillerstiftung. Doch eine wirkungsvolle Autorenförderung gestaltete sich im geteilten Deutschland schwierig.

In der DDR übernahm der Kulturfonds die meisten Stiftungsaufgaben. Nur die Fürsorge für die Hinterbliebenen von Autoren verblieb bis 1989 bei der Schillerstiftung. Wertvolle Teile der Bibliothek der Schillerstiftung wurden gegen Devisen verkauft, andere Kunstgegenstände und Möbel den „Nationalen Forschungs- und Gedenkstätten“ der Weimarer Klassik als Schenkung übereignet.

Die Schillerstiftung existierte bis 1971 als gesamtdeutsche Institution mit einem Vermögensstock in West- und Ostdeutschland weiter. In den 70er und frühen 80er Jahren existierte eine nur bedingt arbeitsfähige Schillerstiftung in der Bundesrepublik Deutschland mit Sitz in Darmstadt.

Deutsche Einheit und Neuanfang 1995

Die Einigung Deutschlands im Jahre 1990 beendete in Weimar die Marginalisierung des Stiftungsauftrags. 1990 wurde der Dichter Wulf Kirsten Generalsekretär der Schillerstiftung. Der Freistaat Thüringen berief ein Jahr später einen kommissarischen Stiftungsrat, in dem die Freistaaten Bayern und Sachsen sowie die Kester-Haeusler-Stiftung, Fürstenfeldbruck/ München, vertreten waren.

Trotz offener Fragen zum Status nahm die Schillerstiftung ihre Arbeit sofort wieder auf und unterstützte zahlreiche Autoren mit Ehrengaben.

Nachdem komplizierte Rechts- und Nachfolgefragen Mitte der 90er Jahre geklärt waren, löste der Jurist und Schriftsteller Dr. Georg Brun als Liquidator die bisherige Stiftung formal auf. Nach der Liquidation der Deutschen Schillerstiftung in der bisherigen Rechtsform wurde am 7. September 1995 die „Deutsche Schillerstiftung von 1859“ als rechtsfähige Stiftung des privaten Rechts in Weimar  im Schiller-Museum  feierlich neu errichtet.

Autorenförderung - Literarische Qualität jenseits kommerzieller Erfolgsmuster

Die Deutsche Schillerstiftung hat seit der Neugründung dank ihres Grundvermögens und  einer Vielzahl von Zustiftungen in Form unselbständiger Stiftungen zahlreiche literarische Auszeichnungen auf der Grundlage von Empfehlungen einer unabhängige Jury vergeben. Im Mittelpunkt stand und steht dabei das Interesse an hervorragenden, aber dennoch keineswegs bestsellerverdächtigen  literarischen Werken.

150 Jahre Deutsche Schillerstiftung 2009

Im Jahre 2009 feiert die Deutsche Schillerstiftung von 1859  ihr 150-jähriges Bestehen als älteste bürgeschaftlich organisierte Stiftung Deutschlands.