2016  

Uwe Kolbe

Uwe Kolbe wurde 1957 in Berlin-Ost geboren und lebt heute in Hamburg. Seine lyrische Begabung wurde früh schon von Franz Fühmann erkannt, der als Mentor wesentlichen Einfluss auf Kolbes Werdegang hatte und ihm 1982 die erste Westreise ermöglichte, ihn sogar dabei begleitete.Hineingeboren heißt sein erster Gedichtband (1980) und deutet schon die Kritik an dem Land an, in das er hineingeboren wurde. „Das poetische Grundmaterial dieser Gedichte,die darin eingeschriebene Landschaft ist ein kindlich und unreflektiert aufgesogenes Nachkriegsberlin. Dieser Fundus ist für mich noch lange nicht ausgeschrieben“, kommentierte Kolbe 2007 seinen ersten Band. Natur und Stadt, Sonett und freie Form, wird er in seinem Gedichtband Lietzenlieder (2013), in dem er seine Herkunftslandschaft neuerlich aufsucht, wiederzusammenbringen, das Sagenhafte, Unheimliche, ja Verbrecherische einer zu Recht versunkenen, dennoch unvergessenen Welt. Vineta, die untergegangene Insel, ist einer seine Topoi (z.B. Gedichtband dieses Titels von 1998). Verschwunden wird schließlich auch das “Dreibuchstabenland“ (s. Vinetas Archive von 2011) sein und dennoch Kolbes dichterischer Gegenstand bleiben.
Sein 2014 bei S. Fischer veröffentlichter, teilweise autobiografischer Roman Die Lüge bearbeitet den Vater-Sohn Widerspruch, in dem Kolbe mit dem DDR- Befürworter-Vater gelebt haben muss. Kolbes Vater war Führungsoffizier für Informelle Mitarbeiter bei der Stasi, während der Sohn sich einer welch immer auch gearteten Karriere in der DDR verweigerte, und nachdem ihm das Veröffentlichen unmöglich gemacht wird, sich lieber mit Gelegenheitsarbeiten und Übersetzungen und Mitarbeit bei Untergrundzeitschriften durchschlägt. Dass er einmal über den Weg nach Westen ein erfolgreicher Schriftsteller wird, ließ sich damals nicht absehen.
Zuletzt erschienen von Uwe Kolbe neben dem Roman die Essays Vinetas Archive. Annäherungen an Gründe im Wallstein Verlag, Göttingen 2011, Mein Usedom im Mareverlag, Hamburg 2014 und die Gedichtbände Lietzenlieder (2012) und Gegenreden (2015) beide bei S.
Fischer in Frankfurt am Main, wo im März 2016 auch sein Essay Brecht. Rollenmodell eines Dichters erscheinen wird.