2019  

Sherko Fatah

© Peter von Felbert

Sherko Fatah, 1964 als Sohn einer ostdeutschenMutter und eines irakischen Vaters geboren, in Berlin, Irak und Wienaufgewachsen, ist einer der interessantesten interkulturellen Autoren. 2001, imJahr der Anschläge auf das World Trade Center, erschien sein erster Roman ImGrenzland. Ein Titel mit Ansage: Denn in diesem wie in den folgenden fünf Romanenbewegt sich Fatah als Grenzgänger zwischen Abendland und Morgenland. Seine Figuren flüchten im »dunklen Schiff« aus der irakischen Provinz nach Berlinoder andersherum, sie kommen als Forschungsreisende in den Irak oder gelangenals Entführungsopfer von Gotteskriegern an den »letzten Ort«. Ihre Geschichtensind imprägniert von Erfahrungen durch Gewalt und Verletzungen, siebezeugen die fatale Verquickung von Krieg und Religion in den Krisenregionendes Nahen Ostens und zeigen eine kaum zu überbrückende Fremdheit der Lebenswelten.Persönliche Grenzsituationen, grausame moralische Konflikte werdenillusionslos und sich aller Wertungen enthaltend gezeigt. So ist der kulturelleGrenzraum auch immer einer der Grenzen des Verstehens, vielmehr einer, in derLeserinnen und Leser ein fatales oder tragisches Nicht-Verstehen erfassen können.Das ist eine Leistung, die durch die politischen Entwicklungen der letztenJahrzehnte von Buch zu Buch an Wichtigkeit gewonnen hat. Fatah hat ein imbesten Sinne aufklärerisches Werk geschaffen, das 2019 mit der Ehrengabe derEugen Viehof-Ehrengabenstiftung ausgezeichnet wird. – Die Laudatio bei derPreisverleihung wird Katrin Lange halten.