Alle Preisträger chronologisch bis 1995:

2018

Thomas Melle, geboren 1975 in Bonn, debütierte 2007 mit dem Erzählband „Raumforderungen“. In den Jahren 2011 und 2014 folgten die Romane „Sickster“ und „3000 Euro“. Einem größeren Publikum wurde er 2016 mit seinem Buch „Die Welt im Rücken“ bekannt. Thomas Melle hat sich zu einer der eindringlichsten Stimmen der jüngeren Literatur entwickelt – seine Texte erzählen schonungslos aus der gehetzten Gegenwart Berlins im jungen 21. Jahrhundert, getragen von einer Sprache, die unterschiedlichste Register souverän einzusetzen weiß. Schon in seinem Debüt „Sickster“ vermeidet Melle den selbstgefälligen Berlin-Roman eines abgeklärten, orientierungslosen Hauptstadt-Bewohners. Sein autobiographisch grundiertes Buch „Die Welt im Rücken“ geht weit über einen selbstreferenziellen Krankheitsbericht eines bipolaren Mannes hinaus, es besticht nicht nur durch sein konzentriertes, reflektiertes Schreiben „um das eigene Leben“, darüber hinaus ist es auch als ein grandioser Großstadtroman zu lesen. Aus Melles gekonntem Erzählen mit seiner unbedingten Nähe zur Gegenwart entsteht ein Werk, das den Leser umstandslos in den Bann zieht.

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2018

Anna-Katharina Hahn, geboren 1970 im Raum Stuttgart, hat bisher zwei Erzählbände („Sommerloch“, 2000; „Kavaliersdelikt“, 2004) und drei Romane („Kürzere Tage“, 2009; „Am Schwarzen Berg“, 2012; „Das Kleid meiner Mutter“, 2016) veröffentlicht. Anna Katharina Hahn kann wunderbar beobachten und verschiedene Milieus beschreiben; sie erweist sich dabei auch als ausdauernde Chronistin ihrer Heimatstadt Stuttgart. Ihre Themen bezieht sie aus der Gegenwart, auch ihre Sprache ist zupackend heutig und zugleich an den literarischen Vorbildern der Vergangenheit geschult. Hahn bricht Strukturen auf, täuscht Erwartungen, lässt märchenhafte Wendungen zu – und stets spielt dabei im Hintergrund die Literatur eine große Rolle, von der Schauerromantik bis zu Gottfried Benn. Denn letztlich geht es dieser Schriftstellerin immer um die Beschreibung der lebensverändernden Kraft von Literatur – und um die Veränderung der Literatur selbst.

Mit der Entscheidung folgte das Kuratorium der Deutschen Schillerstiftung von 1859 dem Votum ihrer Jury (Thomas Geiger, Norbert Hummelt, Katrin Lange, Antje Weber und Helge Pfannenschmidt).

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2017

Er debütierte 1982 mit dem Band Ich lag im Garten bei Kleinzschachwitz, dem vor der Wende dann noch der Gedichtband Schneebier folgte. In ihrer Entscheidungsbegründung würdigt die Jury Thomas Rosenlöcher als »einen Meister der melancholischen Ironie; zugleich war das die Haltung, mit der er dem Staat begegnete, in dem er lebte und schrieb. Seine oft mit genauer Naturbeobachtung einsetzenden Gedichte behaupten eine romantisch-widerständige Nischenexistenz, die er dann, unter geänderten gesellschaftlichen Verhältnissen, im vereinigten Deutschland fortführte. Mit seinem Dresdner Wende-Tagebuch Die verkauften Pflastersteine wurde er einem westdeutschen Publikum bekannt, weitere Prosabände folgten. Sein Hauptwerk aber gilt dem Gedicht, dem er in unverwechselbarer Handschrift Töne ablockt, die bitter fehlten, gäbe es sie nicht – nachlesbar zuletzt in dem Band Hirngefunkel (Insel Verlag 2012), der ausgewählte und neue Gedichte des Autors vereinigt.« Thomas Rosenlöcher wurde 1947 in Dresden geboren und studierte zunächst Betriebswissenschaft. Hierauf folgte ein Studium am Deutschen Literaturinstitut Leipzig. Zuletzt erschienen von Thomas Rosenlöcher neben dem Roman Hirngefunkel (2012) Das Gänseblümchen, die Katze & der Zaun (2015). Die Ehrengabe der Deutschen Schillerstiftung wird zum vierten Mal verliehen und ist mit 10.000 Euro dotiert. Die Laudatio hält der Schriftsteller Norbert Hummelt.

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2017

Obwohl das poetische Werk der 1980 in Anklam geborenen, heute in Berlin lebenden, Judith Zander erst aus zwei Gedichtbänden – »oder tau« (2011) und »manual numerale« (2014) – besteht, ist bereits erkennbar, dass Judith Zander eine der aufregendsten Lyrikerinnen unserer Zeit ist. Ihre Gedichte umkreisen die klassischen Themen der Lyrik: Herkunfts- und Landschaftsgedichte finden sich in ihrem Werk ebenso wie Liebes- und Dinggedichte. Ihr zweiter Gedichtband »manual numerale« ist aufgebaut wie ein Diarium. Das Datum legt die Anzahl der Gedichtzeilen fest und zeigt, – gleichsam en passant – wie strenge Formvorgaben zu einem poetischen Spiel werden können. Ihre Lyrik sprüht vor Wortlust, sie ist angereichert mit Neologismen, Einsprengsel aus dem Englischen, dem Plattdeutschen und aus der populären Kultur. Judith Zander ist eine Meisterin des Nichteindeutigen, sie spielt mit Lauten, Bedeutungs- und Sprachebenen und zeigt sich dabei als fundierte Kennerin der deutschen und angloamerikanischen Dichtungsgeschichte und ihrer häufig schon vergessenen Formen. Vielleicht am schönsten: Immer wieder blitzt in ihren Gedichten ein verschmitzter Humor auf. Der mit 10.000 Euro dotierte Anke Bennholdt-Thomsen-Lyrikpreis für deutschsprachige Lyrikerinnen wird zum vierten Mal verliehen. Die Laudatio hält Thomas Geiger.

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2016

Zwei Romane umfasst die Publikationsliste des österreichischen Schriftstellers Richard Obermayr, der 1970 in Ried im Innkreis (Oberösterreich) geboren wurde und heute in Wien lebt. Zwischen dem Debüt Der gefälschte Himmel und dem Nachfolgewerk Das Fenster liegen zwölf Jahre. Die Jury war sich einig, dass diesem Schriftsteller der Langsamkeit große Anerkennung zusteht.Schon mit seinem Erstling, einer 365 Seiten umfassenden Prosa ohne eigentlichen Plot, dafür aber, wie ein Kritiker in der FAZ schrieb, „von dunkel leuchtender Pracht“, stellte er sich quer gegen alle herkömmlichen Erwartungen an junge deutschsprachige Literatur, und dass er daraufhin ein Dutzend Jahre verstreichen ließ bis ein weiteres Buch (Das Fenster) folgte, für eine Schriftstellerlaufbahn nach den heute herrschenden Kriterien fast selbstmörderisch. Doch hat sich diese Enthaltsamkeit, nach Auffassung der Jury, literarisch hoch gelohnt. Obermayr ist zwar ein Geheimtipp geblieben und der Autor keiner, der seither in aller Munde wäre, aber sein Beitrag zur deutschsprachigen Literatur, insbesondere seit dem Roman Das Fenster ist verbrieft.Gibt es eine Wirklichkeit außerhalb des Denkens, gibt es vom Standpunkt des Schreibens betrachtet überhaupt ein Draußen, etwas, das vor der Sprache liegt? Es ist immer nur als Entschwundenes konstatierbar, eingefroren in Sätze, die als der Zeit enthobene Gebilde vor uns liegen. Solche grundlegenden, für die österreichische Literatur vielleicht besonders kennzeichnenden Fragen sind in Obermayrs Prosa eingewoben, werden hier aber nicht abstrakt verhandelt, sondern sind eine unterschwellige Dimension des Textes, die der Leser für sich selbst erschließt, während er im Fortgang der Lektüre den Bildern der Natur, der Kindheit und der sie zurückholenden Erinnerung folgt. Die philosophische Grundierung dieses Romans ist nie kaltes Gerüst, sondern eine Helligkeit des Denkens, die die Melancholie des Erzählten auszupendeln hilft.

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