Alle Preisträger chronologisch bis 1995:

2017

Er debütierte 1982 mit dem Band Ich lag im Garten bei Kleinzschachwitz, dem vor der Wende dann noch der Gedichtband Schneebier folgte. In ihrer Entscheidungsbegründung würdigt die Jury Thomas Rosenlöcher als »einen Meister der melancholischen Ironie; zugleich war das die Haltung, mit der er dem Staat begegnete, in dem er lebte und schrieb. Seine oft mit genauer Naturbeobachtung einsetzenden Gedichte behaupten eine romantisch-widerständige Nischenexistenz, die er dann, unter geänderten gesellschaftlichen Verhältnissen, im vereinigten Deutschland fortführte. Mit seinem Dresdner Wende-Tagebuch Die verkauften Pflastersteine wurde er einem westdeutschen Publikum bekannt, weitere Prosabände folgten. Sein Hauptwerk aber gilt dem Gedicht, dem er in unverwechselbarer Handschrift Töne ablockt, die bitter fehlten, gäbe es sie nicht – nachlesbar zuletzt in dem Band Hirngefunkel (Insel Verlag 2012), der ausgewählte und neue Gedichte des Autors vereinigt.« Thomas Rosenlöcher wurde 1947 in Dresden geboren und studierte zunächst Betriebswissenschaft. Hierauf folgte ein Studium am Deutschen Literaturinstitut Leipzig. Zuletzt erschienen von Thomas Rosenlöcher neben dem Roman Hirngefunkel (2012) Das Gänseblümchen, die Katze & der Zaun (2015). Die Ehrengabe der Deutschen Schillerstiftung wird zum vierten Mal verliehen und ist mit 10.000 Euro dotiert. Die Laudatio hält der Schriftsteller Norbert Hummelt.

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2017

Obwohl das poetische Werk der 1980 in Anklam geborenen, heute in Berlin lebenden, Judith Zander erst aus zwei Gedichtbänden – »oder tau« (2011) und »manual numerale« (2014) – besteht, ist bereits erkennbar, dass Judith Zander eine der aufregendsten Lyrikerinnen unserer Zeit ist. Ihre Gedichte umkreisen die klassischen Themen der Lyrik: Herkunfts- und Landschaftsgedichte finden sich in ihrem Werk ebenso wie Liebes- und Dinggedichte. Ihr zweiter Gedichtband »manual numerale« ist aufgebaut wie ein Diarium. Das Datum legt die Anzahl der Gedichtzeilen fest und zeigt, – gleichsam en passant – wie strenge Formvorgaben zu einem poetischen Spiel werden können. Ihre Lyrik sprüht vor Wortlust, sie ist angereichert mit Neologismen, Einsprengsel aus dem Englischen, dem Plattdeutschen und aus der populären Kultur. Judith Zander ist eine Meisterin des Nichteindeutigen, sie spielt mit Lauten, Bedeutungs- und Sprachebenen und zeigt sich dabei als fundierte Kennerin der deutschen und angloamerikanischen Dichtungsgeschichte und ihrer häufig schon vergessenen Formen. Vielleicht am schönsten: Immer wieder blitzt in ihren Gedichten ein verschmitzter Humor auf. Der mit 10.000 Euro dotierte Anke Bennholdt-Thomsen-Lyrikpreis für deutschsprachige Lyrikerinnen wird zum vierten Mal verliehen. Die Laudatio hält Thomas Geiger.

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2016

Zwei Romane umfasst die Publikationsliste des österreichischen Schriftstellers Richard Obermayr, der 1970 in Ried im Innkreis (Oberösterreich) geboren wurde und heute in Wien lebt. Zwischen dem Debüt Der gefälschte Himmel und dem Nachfolgewerk Das Fenster liegen zwölf Jahre. Die Jury war sich einig, dass diesem Schriftsteller der Langsamkeit große Anerkennung zusteht.Schon mit seinem Erstling, einer 365 Seiten umfassenden Prosa ohne eigentlichen Plot, dafür aber, wie ein Kritiker in der FAZ schrieb, „von dunkel leuchtender Pracht“, stellte er sich quer gegen alle herkömmlichen Erwartungen an junge deutschsprachige Literatur, und dass er daraufhin ein Dutzend Jahre verstreichen ließ bis ein weiteres Buch (Das Fenster) folgte, für eine Schriftstellerlaufbahn nach den heute herrschenden Kriterien fast selbstmörderisch. Doch hat sich diese Enthaltsamkeit, nach Auffassung der Jury, literarisch hoch gelohnt. Obermayr ist zwar ein Geheimtipp geblieben und der Autor keiner, der seither in aller Munde wäre, aber sein Beitrag zur deutschsprachigen Literatur, insbesondere seit dem Roman Das Fenster ist verbrieft.Gibt es eine Wirklichkeit außerhalb des Denkens, gibt es vom Standpunkt des Schreibens betrachtet überhaupt ein Draußen, etwas, das vor der Sprache liegt? Es ist immer nur als Entschwundenes konstatierbar, eingefroren in Sätze, die als der Zeit enthobene Gebilde vor uns liegen. Solche grundlegenden, für die österreichische Literatur vielleicht besonders kennzeichnenden Fragen sind in Obermayrs Prosa eingewoben, werden hier aber nicht abstrakt verhandelt, sondern sind eine unterschwellige Dimension des Textes, die der Leser für sich selbst erschließt, während er im Fortgang der Lektüre den Bildern der Natur, der Kindheit und der sie zurückholenden Erinnerung folgt. Die philosophische Grundierung dieses Romans ist nie kaltes Gerüst, sondern eine Helligkeit des Denkens, die die Melancholie des Erzählten auszupendeln hilft.

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2016

Uwe Kolbe wurde 1957 in Berlin-Ost geboren und lebt heute in Hamburg. Seine lyrische Begabung wurde früh schon von Franz Fühmann erkannt, der als Mentor wesentlichen Einfluss auf Kolbes Werdegang hatte und ihm 1982 die erste Westreise ermöglichte, ihn sogar dabei begleitete.Hineingeboren heißt sein erster Gedichtband (1980) und deutet schon die Kritik an dem Land an, in das er hineingeboren wurde. „Das poetische Grundmaterial dieser Gedichte,die darin eingeschriebene Landschaft ist ein kindlich und unreflektiert aufgesogenes Nachkriegsberlin. Dieser Fundus ist für mich noch lange nicht ausgeschrieben“, kommentierte Kolbe 2007 seinen ersten Band. Natur und Stadt, Sonett und freie Form, wird er in seinem Gedichtband Lietzenlieder (2013), in dem er seine Herkunftslandschaft neuerlich aufsucht, wiederzusammenbringen, das Sagenhafte, Unheimliche, ja Verbrecherische einer zu Recht versunkenen, dennoch unvergessenen Welt. Vineta, die untergegangene Insel, ist einer seine Topoi (z.B. Gedichtband dieses Titels von 1998). Verschwunden wird schließlich auch das “Dreibuchstabenland“ (s. Vinetas Archive von 2011) sein und dennoch Kolbes dichterischer Gegenstand bleiben.Sein 2014 bei S. Fischer veröffentlichter, teilweise autobiografischer Roman Die Lüge bearbeitet den Vater-Sohn Widerspruch, in dem Kolbe mit dem DDR- Befürworter-Vater gelebt haben muss. Kolbes Vater war Führungsoffizier für Informelle Mitarbeiter bei der Stasi, während der Sohn sich einer welch immer auch gearteten Karriere in der DDR verweigerte, und nachdem ihm das Veröffentlichen unmöglich gemacht wird, sich lieber mit Gelegenheitsarbeiten und Übersetzungen und Mitarbeit bei Untergrundzeitschriften durchschlägt. Dass er einmal über den Weg nach Westen ein erfolgreicher Schriftsteller wird, ließ sich damals nicht absehen.Zuletzt erschienen von Uwe Kolbe neben dem Roman die Essays Vinetas Archive. Annäherungen an Gründe im Wallstein Verlag, Göttingen 2011, Mein Usedom im Mareverlag, Hamburg 2014 und die Gedichtbände Lietzenlieder (2012) und Gegenreden (2015) beide bei S.Fischer in Frankfurt am Main, wo im März 2016 auch sein Essay Brecht. Rollenmodell eines Dichters erscheinen wird.

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2015

Volker Sielaff wurde 1966 in Großröhrsdorf, Lausitz, geboren und lebt mit seiner Familie in Dresden. Seit den frühen 90er-Jahren veröffentlichte er Gedichte und Essays in renommierten Zeitschriften wie manuskripte oder diwan, Kritiken (oft über Lyrik) im Berliner Tagesspiegel oder für die Frankfurter Rundschau. Sein erster Lyrikband Postkarte für Nofretete erschien 2003 bei zu Klampen, sein zweiter Selbstporträt mit Zwerg folgte im Jahr 2011 bei Luxbooks. „Sielaff ist sich bewusst, dass der Ort des Gedichts eher am Rande liegt, doch als Dichter erlaubt er sich, die Welt auch von einem peripheren Standort zu betrachten“, schreibt die Jury in ihrer Begründung für die Wahl Siellaffs. „An der Notwendigkeit von Dichtung und der Anverwandlung der Welt durch Sprache hegt er nicht den geringsten Zweifel. Er ist ein Meister darin, im scheinbar Beiläufigen die zentralen Fragestellungen der menschlichen Existenz zu entwickeln. Seine Liebesdichtung ist nicht (nur) romantisch. Seine Themen sind, wie in der klassischen Dichtung, das Naturgedicht, das Dinggedicht. Und er schreibt das Jahrtausende alte Gespräch innerhalb der Lyrik fort: In Selbstportrait mit Zwerg werden unter anderen Platon, Francis Ponge, William Carlos Williams und Robert Creeley zitiert.

Zu würdigen ist dieser Dichter auch als Literaturvermittler. Für die Zeitschrift Sprache im technischen Zeitalter präsentiert er einmal jährlich eine Lyrikerin oder einen Lyriker aus Osteuropa in der Kolumne Auf Tritt Die Poesie. In der von Hans Thill herausgegebenen Reihe Poesie der Nachbarn wirkte er in dem 2014 erschienenen Band Stillleben mit Crash. Gedichte aus Polen an der Übersetzung polnischer Gegenwartslyrik mit. Volker Sielaffs neuer Gedichtband Glossar des Prinzen erscheint im März 2015 bei Luxbooks.“

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